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Präambel § l Der Herr Jesus Christus schafft und beruft seine Kirche, damit sie hier auf Erden ihm diene, bis er kommt. Die Brüder-Unität weiß sich darum im Glauben zum Dienst an der Menschheit mit dem Evangelium von Jesus Christus gerufen. Sie erkennt in diesem Ruf den Grund ihres Daseins und die Quelle ihres Dienstes. Wie ihr Ursprung, so sind auch Ziel und Ende ihres Daseins allein im Willen ihres Herrn begründet.
Der Glaube der Gemeinde § 2 Wir glauben mit der ganzen Christenheit an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Wir glauben und bekennen, dass Gott sich in seinem Sohn Jesus Christus einmal und endgültig offenbart hat, dass unser Herr uns mit der gesamten Menschheit durch seinen Tod und seine Auferstehung erlöst hat und dass es außer ihm kein Heil gibt. Wir glauben, dass er unter uns in Wort und Sakrament gegenwärtig ist, dass er uns durch seinen Geist leitet und eint und uns damit zur Gemeinde baut. Wir hören seinen Ruf zur Nachfolge und bitten ihn, dass er uns zu seinem Dienst gebrauche. Er verbindet uns untereinander, so dass wir uns als Glieder seines Leibes wissen und willig werden, einander zu dienen. Im Licht der göttlichen Gnade erkennen wir uns als eine Gemeinde von Sündern. Wir bedürfen der täglichen Vergebung und leben allein von Gottes Erbarmen in Christus Jesus, unserem Herrn. Er erlöst uns aus unserer Vereinzelung und schafft aus uns eine lebendige Gemeinde Jesu Christi.
Der persönliche Glaube § 3 Der Glaube der Gemeinde wird gewirkt und erhalten durch das Zeugnis von Jesus Christus und das Werk des Heiligen Geistes. Dieses Zeugnis ruft den einzelnen persönlich, führt ihn zur Erkenntnis der Sünde und zur Annahme der durch Christus erworbenen Erlösung. In der Gemeinschaft mit ihm wird die Liebe Christi immer mehr zur Kraft des neuen Lebens, die den ganzen Menschen durchdringt und gestaltet. Indem so der Geist Gottes im Herzen der einzelnen lebendigen Glauben wirkt, schenkt er ihnen Anteil an der Frucht der Erlösungstat Christi und der Gliedschaft an seinem Leibe.
Gottes Wort und Lehre § 4 Der Dreieinige Gott, offenbart in der Heiligen Schrift des Alten und Neuen Testaments ist die einzige Quelle unseres Lebens und unseres Heils. Diese Schrift ist der alleinige Maßstab der Lehre und des Glaubens der Unitas Fratrum und bestimmt deshalb unser Leben. Als Hauptinhalt der Heiligen Schrift und aller Predigt des Evangeliums erkennt die Brüder-Unität das Wort vom Kreuz. Die Brüder-Unität sieht ihren Hauptauftrag und den Sinn ihres Daseins darin, diese frohe Botschaft zu bezeugen. Wir bitten unseren Herrn um die Kraft, nie davon zu lassen. Die Brüder-Unität nimmt teil an der ständigen Bemühung um die rechte Lehre. Beim Auslegen der Schrift und beim Weitergeben der Lehre in der Kirche blicken wir auf zwei Jahrtausende ökumenischer christlicher Tradition und auf die Weisheit derer zurück, die uns in der Brüder-Unität im Glauben vorangegangen sind. Sie weisen uns den Weg, wenn wir um ein tieferes Verständnis und um eine klarere Bezeugung des Evangeliums von Jesus Christus beten. Wie aber die Heilige Schrift kein Lehrsystem enthält, so hat auch die Brüder-Unität kein eigenes entwickelt, weil sie weiß, dass das in der Bibel bezeugte Geheimnis Jesu Christi von keiner menschlichen Aussage vollkommen erfasst werden kann. Zugleich gilt, dass der Heilige Geist die Erkenntnis des Heilswillens Gottes in der Bibel vollständig und klar eröffnet.
Bekenntnis und Bekennen § 5 Die Brüder-Unität hört in den Bekenntnissen der Kirche den Lobpreis der Gemeinde Christi. Diese Bekenntnisse dienen der Kirche zu rechtem schriftgemäßen Bekennen und zur Abgrenzung gegen Irrlehren. Sie sind ihr Wegleitung und Mahnung zu gehorsamem und unerschrockenem Zeugnis in der jeweiligen Gegenwart. Die Brüder-Unität hält daran fest, dass alle von den christlichen Kirchen formulierten Bekenntnisse der ständigen Prüfung an der Heiligen Schrift bedürfen. Solch rechtes Bekennen erblickt sie im urchristlichen Zeugnis »Jesus Christus ist der Herr«, außerdem insbesondere in den drei altkirchlichen Glaubensbekenntnissen und in den grundlegenden Bekenntnisschriften der Reformation. *)
Die Brüder-Unität als Einheit § 6 Wir glauben und bekennen die Einheit der Kirche, die in dem einen Herrn Jesus Christus als Gott und Heiland gegeben ist. Er ist dafür gestorben, dass er die zerstreuten Kinder Gottes zusammenbrächte. Als der lebendige Herr und Hirte führt er seine Herde solcher Einheit entgegen. Zu dieser Einheit bekannte sich die Brüder-Unität, als sie den Namen der alten Böhmischen Brüderkirche »Unitas Fratrum« übernahm. Wir können die überwältigende Einigung nicht vergessen, die der gekreuzigte und auferstandene Herr unseren Vätern in Herrnhut bei der Feier des Heiligen Abendmahles am 13. August 1727 in Berthelsdorf schenkte. Der Herr will, dass die Christenheit mit Eifer und Liebe die Einheit in ihm bezeugt und sucht. In unserer Mitte sehen wir, wie solche Einheit uns verheißen und aufgegeben ist. Wir erkennen, dass durch die Gnade Christi den verschiedenen Kirchen viele Gaben geschenkt sind. Es ist unser Wunsch, voneinander zu lernen und dabei den Reichtum der Liebe Christi und die mannigfaltige Weisheit Gottes zu preisen. Wir erkennen aber auch unseren Anteil an der Schuld, die sich in der Zerrissenheit und Uneinigkeit der Christenheit auf Erden zeigt. Durch solche Zertrennungen hindern wir selbst die Verkündigung und die Kraft des Evangeliums. Wir sehen die Gefahren der Selbstrechtfertigung und des lieblosen Richtens. Da wir mit der ganzen Christenheit auf der Wanderschaft sind dem kommenden Herrn entgegen, begrüßen wir jeden Schritt, der uns dem Ziel der Einheit in ihm näher bringt. Er lädt uns selbst zur Gemeinschaft an seinen Tisch. Damit leitet er seine Kirche der von ihm verheißenen Einigung zu; denn durch seine Gegenwart im Abendmahl macht er uns die Einheit in ihm schon heute sichtbar und gewiss.
Gemeinde als Bruderschaft § 7 Die Gemeinde Jesu Christi ist bei allen Unterschieden zwischen Mann und Frau, Armen und Reichen und Menschen verschiedener ethnischer Herkunft eins in ihrem Herrn. Die Unitas Fratrum erkennt zwischen denen, die im Herrn Jesus Christus eins sind, keine trennenden Unterscheidungen an. Wir wissen uns darum gerufen zu bezeugen, dass Gott in Jesus Christus sein Volk aus jeder ethnischen Herkunft und jeder Sprache sammelt und zu einem Leib formt, und dass er die Sünder unter dem Kreuz begnadigt und zusammenführt. Wir bekämpfen jede Zurücksetzung in unserer Mitte aus Gründen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts oder der sozialen Stellung, und wir betrachten es als ein Gebot unseres Herrn, dies öffentlich zu bezeugen und mit Wort und Tat zu zeigen, dass wir Brüder und Schwestern in Christus sind.
Gemeinde als Dienstgemeinschaft § 8 Jesus Christus kam nicht, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen. Daraus empfängt seine Gemeinde Auftrag und Kraft zu ihrem Dienst, zu dem jedes ihrer Glieder berufen ist. Wir glauben, dass der Herr uns besonders zum Missionsdienst unter den Völkern der Welt gerufen hat. In dieser und jeder anderen Form des Dienstes, die uns der Herr anvertraut hat, sei es daheim oder draußen, erwartet er von uns, dass wir ihn bekennen und seine Liebe in selbstlosem Dienst bezeugen.
Dienst am Nächsten § 9 Der Herr Jesus ist in das Elend dieser Welt eingegangen, um es zu tragen und zu überwinden. Darum suchen wir dem Herrn nachzufolgen, indem wir seinen Brüdern dienen. Dieser Dienst kennt, wie die Liebe Jesu, keine Schranken. Darum bitten wir den Herrn, dass er uns immer neu den Weg zum Nächsten weise und Auge und Ohr, Hand und Herz für seine Not öffne.
Dienst an der Welt § 10 Jesus Christus hält in seiner Liebe und Treue an dieser gefallenen Welt fest. Darum sollen auch wir dieser Welt zugewandt bleiben. Wir dürfen uns nicht aus Gleichgültigkeit, Hochmut oder Angst von ihr zurückziehen. Mit der ganzen Kirche Christi ruft die Brüder-Unität in die Menschheit die Botschaft von der Liebe Gottes hinein, wirkt für den Frieden der Welt und sucht der Menschen Bestes. Sie hofft und wartet für diese Welt auf den Tag, an dem der Sieg Jesu über Sünde und Tod offenbar werden und die neue Welt erscheinen wird.
Schlusswort § 11 Jesus Christus ist der alleinige Herr und das Haupt seines Leibes, der Kirche. Sie hat darin ihre Unabhängigkeit von allen anderen Gewalten, die seiner Königsherrschaft widerstreiten. Die Brüder-Unität bewahrt von ihrer Geschichte her die lebendige Erfahrung des Ältestenamtes Jesu (16. September und 13. November 1741). Die Brüder-Unität erkennt, dass sie nur durch die unbegreifliche Gnade Gottes ins Leben gerufen und bisher erhalten wurde. Dank und Lobpreis dafür bleiben der Grundton ihres Lebens und Dienens. So wartet sie auf die Erscheinung Jesu Christi, geht ihrem Herrn freudig entgegen und bittet ihn, dass er sie wachend finde, wenn er kommt.
*) Anmerkung In den verschiedenen Provinzen der Erneuerten Brüder-Unität sind namentlich folgende Bekenntnisschriften zu besonderer Bedeutung gelangt, weil in ihnen die Hauptaussagen des christlichen Glaubens klar und einfach ausgesprochen sind:
das Apostolische Glaubensbekenntnis,
das Nicänische Glaubensbekenntnis,
das Athanasianische Glaubensbekenntnis,
die Böhmische Brüderkonfession von 1535,
die 21 Artikel der unveränderten Augsburgischen Konfession,
der Kleine Katechismus Martin Luthers,
der Berner Synodus von 1532,
der Heidelberger Katechismus,
die 39 Artikel der Kirche von England,
die Barmer Theologische Erklärung von 1934.
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